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Riesige Auswahl
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EPHRAIM KISHON-STÜCK
IN DER STADTHALLE OBERURSEL

(Frankfurter Neue Presse)

Auf den Unterschied kommt es an

Einen Einblick in das Eheleben von Ephraim Kishon und seiner Frau Sara konnten die Zuschauer bei einer Theateraufführung in Oberursel nehmen. Manches kam ihnen sicher bekannt vor.
 

Von Wolfgang Rüdell


Sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern biologischer Natur, oder beruhen sie eher auf der Erziehung? Wie dem auch sei, ohne die Unterschiede wäre das Zusammenleben von Mann und Frau wohl langweilig und trist. Wie sie gerade oder trotzdem das Leben lebenswert und den Partner liebenswert machen, hat der israelische Satiriker Ephraim Kishon (1924–2005) in seinem Buch „ . . . und die beste Ehefrau von allen“ (1981) erzählt. Mit „Mein geliebter Lügner“ kam 15 Jahre später die Retourkutsche seiner resoluten Ehefrau Sara.


Mit dem Zwei-Personen-Stück auf Basis beider Bücher gastierte das Schauspielerehepaar Thomas Waldkircher und Anja Pirling am Donnerstagabend in der Stadthalle. Es sieht locker aus, ist aber das Resultat sorgfältiger Vorbereitung und schauspielerischer Präzision, wie die Vollblutschauspieler in zweieinhalb Stunden am Beispiel der Kishons das Zusammenleben von Mann und Frau ausleuchten.


Das Stück führt die Zuschauer nach Tel Aviv, wo das Ehepaar Kishon lebt. Sara betreibt dort eine Kunstgalerie. Sie wird immer wieder vom Einkaufstick heimgesucht. Natürlich ist sie auch von alternativen Heilmethoden überzeugt: So kann es nicht ausbleiben, dass sie mit einem „Gesundheitsarmband“ heimkommt: „Das einzig Wahre gegen Rheuma. Die Schmerzen in der Schulter sind wie weggeblasen.“ „Bei mir hilft es nicht“, wendet er nach einem Selbstversuch ein. Unbeeindruckt kontert sie: „Weil du eben nicht dran glaubst.“


Wenn die „praktizierende Frau“ Make-up aufträgt, ist sie für ihren Mann unerreichbar. Er möchte ihr sein Herz ausschütten über seine kreative Krise, und sie entgegnet: „Liebling, wir sollten was für die Kindergärtnerin kaufen, die wird doch versetzt.“


Und dann die Frage: „Was soll ich anziehen?“ Die Kleiderschränke quellen über, als sie beim Anziehen für die Silvestereinladung feststellt: „Ich habe nichts anzuziehen!“ Ähnlich ist es mit der Pünktlichkeit: „Der Gastgeber rechnet sowieso mit einer Viertelstunde Verspätung, und eine weitere Viertelstunde kann nicht schaden.“


Eigentlich ist für Ephraim Kishon die Ehe „der

Tunnel am Ende des Lichts“.  Aber als ihn ein Engel fragt: „Warum lebst du seit vielen Jahren mit der besten Ehefrau von allen unter einem Dach?“, bekennt er: „Weil ich sie liebe.“
 

 

In ihrem Buch „Mein geliebter Lügner“ charakterisiert Sara ihren Mann als eigentlich „schüchternen Menschen, in geschlechtlichen Angelegenheiten verschlossen wie eine Auster“. Seine Träume von einer Ehe mit zwei Frauen kommentiert sie nüchtern: „Wie wäre er damit fertig geworden, wo es ihm schon schwerfällt, einer Frau an seiner Seite die nötige Aufmerksamkeit zu schenken?“


Sie gibt preis, wie sie es so lange miteinander ausgehalten haben. „Wir haben zwei Radios, zwei Telefone, zwei Häuser, zwei Städte, zwei Kontinente, zwei Kinder. Vielleicht ist dieser Kniff das Geheimnis.“


Nicht vergessen werden darf der Humor. Er erlaubt es, mit den wirklichen und vermeintlichen Schwächen des anderen verständnisvoll umzugehen. Wäre es nun wünschenswert, die Stolperfallen in der Ehe aus dem Weg zu räumen, indem die Unterschiede zwischen den Geschlechtern eingeebnet werden? In einem Interview mit der „Zeit“ gibt die feministische Literaturwissenschaftlerin Professor Barbara Vinken zu bedenken: Die „Nivellierung von Differenz ist (. . .) nicht besonders sexy. ( . . .) Ein bisschen Ironie den Geschlechternormen gegenüber mag hilfreicher sein als verbissenes Kämpfen um Gleichheit.“